
Jobratgeber
Die Frage nach der Einschätzung eigener Stärken und Schwächen gehört zu den Klassikern im Vorstellungsgespräch. Trotzdem sorgt sie bei vielen Bewerbern für Unsicherheit, schließlich möchten sie sich bestmöglich präsentieren und die eigenen Defizite aufzuzählen, scheint dem zu widersprechen.
Dabei geht es Personalverantwortlichen nicht um Perfektion, sondern vielmehr um Selbstreflexion, Authentizität und die Fähigkeit, die eigene Persönlichkeit realistisch einzuschätzen.
Wer einschätzen kann, welche Stärken ihn im Arbeitsalltag auszeichnen und an welchen Punkten er noch arbeiten möchte, zeigt Professionalität und Entwicklungspotenzial. Eine gute Vorbereitung hilft, diese Fragen souverän und überzeugend zu beantworten.
Wer seine eigenen Fähigkeiten klar benennen kann, zeigt Professionalität sowie ein hohes Maß an Selbstbewusstsein und Kommunikationsstärke. Gleichzeitig verrät die Art, wie jemand über seine Schwächen spricht, wie konstruktiv derjenige mit Herausforderungen umgeht und inwiefern er bereit ist, sich weiterzuentwickeln.
Was und wie Sie antworten, gibt Ihrem Gesprächspartner also die Möglichkeit einer realistischen Einschätzung darüber, wie Sie ins Unternehmen und zu der ausgeschriebenen Stelle passen. Die Frage ist ein wichtiges Werkzeug, um Ihre Persönlichkeit, Ihr Potenzial und Ihre Arbeitsweise sichtbar zu machen.
Die Frage nach Ihren Stärken und Schwächen wird nicht zwingend konkret gestellt. Es ist daher sinnvoll, während des Vorstellungsgesprächs auf indirekte Fragetechniken zu achten. Manchmal zeigen diese sich in Form von Skalenfragen („Wie würden Sie sich bei diesem Thema auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen?“) oder solche mit Praxisbezug („Was haben Ihre früheren Kollegen an Ihnen geschätzt?“).
Die Frage nach Ihren positiven Eigenschaften bietet Ihnen die Chance, Ihre eigene Persönlichkeit und fachliche Eignung überzeugend hervorzuheben. Wichtig ist hierbei, dass Ihre Aussagen authentisch, klar und realistisch bleiben.
Grundsätzlich kann jeder positive Eigenschaften von sich behaupten. Glaubwürdig werden sie erst, wenn Sie diese mit konkreten Erfahrungen und Beispielen untermauern. Anstatt Schlagworte zu nennen, sollten Sie daher passende Situationen nennen, in denen Ihre Stärken sichtbar geworden sind.
Achten Sie darauf, selbstbewusst, aber nicht überheblich aufzutreten. Formulieren Sie Ihre Stärken positiv und in einem natürlichen, professionellen Ton. Hin und wieder können Sie die Bereitschaft, weiter zu lernen und Ihre Fähigkeiten auszubauen, signalisieren, um eine gesunde Selbstreflexion aufzuzeigen.
Diese Mischung aus Kompetenz und Bodenständigkeit wirkt im Gespräch besonders überzeugend und sympathisch.
Es empfiehlt sich vor dem Vorstellungsgespräch eine Liste mit Fähigkeiten anzufertigen, die Sie für geeignet halten. Achten Sie bei der Auswahl auf die folgenden Punkte, um bestmögliche Antworten geben zu können
Aussagen wie: „Ich kann eigentlich alles …“ oder „Ich bin perfekt in xy …“, wirken unglaubwürdig und unprofessionell. Setzen Sie auf Ehrlichkeit und eine realistische Selbsteinschätzung.
Verzichten Sie auf verwaschene Formulierungen wie: „Ich denke …“, „Ich kann vielleicht …“. So wirken Sie unsicher, dabei sollten Sie sicher wissen, was Sie können.
Den Personalverantwortlichen interessiert nicht, dass Sie kreativ schreiben können, wenn Sie sich als Buchhalter bewerben. Unpassende Stärken zeigen mangelnde Vorbereitung und geringe Rollenkenntnis.
Nennen Sie nicht mehrere Stärken hintereinander, ohne zu erklären, warum diese relevant sind. Sie verlieren dadurch an Wert. Setzen Sie lieber auf wenige ausgereifte Fähigkeiten statt auf Masse.
Eigenschaften wie Freundlichkeit, Respekt und Pünktlichkeit werden als gegeben angesehen und sind keine Stärken. Sie vermitteln keinen Mehrwert, da sie ohnehin von Ihnen erwartet werden.
Vermeiden Sie Aussagen wie: „Ich kann schlecht Aufgaben abgeben, weil ich alles perfekt machen möchte“. Personalverantwortliche lesen zwischen den Zeilen und werten solche Formulierungen schnell als unehrlich. In diesem Fall klingt die Antwort nach Kontrollbedürfnis, was eher eine Schwäche als eine Stärke ist.
Gute Stärken sind solche, die sowohl authentisch als auch relevant für die Stelle sind. Eine ehrliche Selbstanalyse hilft dabei, individuelle und glaubwürdige Ergebnisse zu finden.
Fachliche Stärken sind hoch individuell und variieren je nach Branche, Ausbildung und Position. Sie wissen selbst am besten, welche davon auf Sie zutreffen und in Ihrem Fachbereich wichtig sind.
Persönliche Stärken hingegen sind schwieriger herauszufinden, als Sie zunächst vermuten mögen. Denn Sie gehen mit einem hohen Maß an Selbstreflexion einher. Mögliche Soft Skills sind beispielsweise:
Diese Stärke können Sie argumentativ mit moderierten Meetings, häufigem Kundenkontakt oder erfolgreich gehaltene Präsentationen belegen. Aber auch der Hinweis auf konfliktfähige, konstruktive und professionelle Klärung von Differenzen ist hilfreich.
Zeigen Sie, dass Sie sich nicht für perfekt halten und Chancen ergreifen, um noch besser in dem zu werden, was Sie tun. Besonders in dynamischen Branchen ist diese Kompetenz wichtig. Unterstreichen Sie diese Stärke durch kürzlich absolvierte Weiterbildungen oder persönliche Fortbildung.
Unterstreichen Sie Ihre Fähigkeit, effektiv und wertschätzend mit unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten. Beispiele könnten gemeinsame Projekterfolge, die Übernahme bestimmter Rollen im Team oder konstruktive Zusammenarbeit in stressigen Situationen sein.
Diese persönliche Stärke wird greifbar, wenn Sie darstellen, wie Sie Aufgaben priorisieren, Deadlines zuverlässig einhalten oder komplexe Abläufe koordinieren. Besonders in Projekt- und Assistenzrollen ist dies ein wertvolles Plus.
Belegen Sie diese mit Situationen, in denen Sie kreative oder effiziente Lösungen gefunden haben. Vielleicht haben Sie Engpässe überbrückt, Prozesse optimiert oder technische Herausforderungen gemeistert. Das zeigt analytisches Denken und Initiative.
Die Frage nach Ihren Schwächen soll Sie nicht bloßstellen, sondern zeigen, wie reflektiert, ehrlich und lösungsorientiert Sie mit Herausforderungen umgehen. Professionell formuliert beschreiben Sie daher kein gravierendes Defizit, sondern Entwicklungspotenzial, das Sie realistisch einschätzen, bewusst wahrnehmen und aktiv verbessern möchten.
Entscheidender als die Schwäche selbst ist Ihr Umgang mit dieser: Wer überzeugend darstellt, wie er an eigenen Themen arbeitet, signalisiert Lernfähigkeit, Reife und Selbstbewusstsein.
Glaubwürdigkeit entsteht, wenn Sie die Schwäche präzise beschreiben und mit einer kurzen Alltagssituation verknüpfen, in der sie erkennbar wurde. Ergänzen Sie schließlich, welche Schritte Sie bereits unternehmen, um sich in diesem Bereich weiterzuentwickeln.
Analysieren Sie vor dem Vorstellungsgespräch ausgiebig, welche Unvollkommenheiten Sie preisgeben möchten. Achten Sie bei der Auswahl auf die folgenden Aspekte:
Über Schwächen sollten Sie grundsätzlich sensibel sprechen. Mit dem richtigen Vorgehen präsentieren Sie sie als Chancen. Es ist aber wichtig, dass Sie diese Dinge im Vorstellungsgespräch vermeiden:
Der Trick ist alt und Personalverantwortlichen bekannt: Formulierungen wie „Ich bin zu perfektionistisch“, „Ich arbeite zu viel“, „Ich bin zu engagiert“ sind Floskeln, die nicht ehrlich wirken und keine wirkliche Schwäche zugeben. Stattdessen signalisieren sie, dass Sie sich nicht ausreichend mit den Anforderungen der Position und sich selbst auseinandergesetzt haben.
Wählen Sie keine Schwächen, die mit dem Job selbst oder der Unternehmenskultur kollidieren. Das erweckt den Eindruck, dass Sie zunächst viel an sich arbeiten müssen, um ins Team zu passen.
Reden Sie sich nicht schlecht oder treffen finale Aussagen wie: „Ich kann das einfach nicht“. Präsentieren Sie Ihre Schwächen hoffnungsvoll und mit dem Wunsch, sich zu verbessern.
Mehrere Schwächen nur aufzuzählen, wirkt unsicher und planlos. Fokussieren Sie sich auf die vorher bereitgelegten und führen diese stärker aus.
Ein guter Witz soll oft das Vorstellungsgespräch auflockern. Verknüpfen Sie diesen aber nicht mit Formulierungen wie: „Ich habe eine Schwäche für zu viel Schokolade“. Das wirkt unreflektiert und ausweichend.
Gute Schwächen sind ehrlich, kontrollierbar und nicht jobkritisch. Wichtig ist also, dass Sie sich vorab individuelle Gedanken machen, um sich reflektiert präsentieren zu können. Eine realistische Selbstanalyse hilft Ihnen dabei, authentische und beruflich unbedenkliche Aussagen zu treffen.
Es macht Sie nervös, wenn Prozesse zu langsam laufen oder Entscheidungen sich hinziehen. Sie können darauf eingehen, dass Sie früher dazu tendiert haben, Ergebnisse sehr schnell sehen zu wollen. Jetzt haben Sie aber gelernt, die Ungeduld mit sich selbst auszumachen und sich an strukturierte Planung, bewusstes Priorisieren oder klare Abstimmungen im Team zu halten, ohne zu drängeln.
Es ist nicht selten, dass Menschen sich unsicher fühlen, wenn sie vor Gruppen etwas vortragen sollen. Untermauern Sie, dass Sie daran arbeiten, indem Sie Präsentationstrainings besuchen oder vor kleineren Gruppen üben, selbstsicherer zu wirken. Sie können auch klarstellen, dass es sich um ein Gefühl handelt, weshalb Sie diese Aufgabe nicht gern machen, Zuhörende davon aber üblicherweise nichts mitbekommen.
Sie finden detailorientiertes Arbeiten wichtig, wissen aber auch, dass es schnell dazu führt, sich zu verzetteln. Um Zeitverlust zu vermeiden, setzen Sie sich klare Grenzen: etwa durch Zeitblöcke, To-do-Listen oder Abstimmungen im Team.
Wenn Sie dazu neigen, zu viele Aufgaben anzunehmen, ist das durchaus eine Schwäche. Sie können aber auch darlegen, dass Sie mittlerweile Prioritäten besser kommunizieren, sobald Sie das Team gut kennen.
Dass Sie im Vorstellungsgespräch zu Ihren Stärken und Schwächen befragt werden, ist sehr wahrscheinlich. Das bedeutet, dass Sie sich sehr gut darauf vorbereiten und vorab eine ehrliche Selbstanalyse durchführen können.
Für Stärken:
In welchen Situationen fühle ich mich kompetent und sicher?
Für Schwächen:
Welche Situationen verlaufen oft nicht so, wie ich es mir wünsche?
Zusätzlich kann es hilfreich sein, sich Feedback von Kollegen, Freunden oder Familie einzuholen. So erhalten Sie ein realistisches Bild, anhand dessen Sie eine gute Übersicht erstellen können.
Überlegen Sie anschließend, welche der zusammengetragenen Ergebnisse sich am besten auf die Jobbeschreibung übertragen lassen.
Im Zuge unserer Personalvermittlung hilft die DEKRA Arbeit Gruppe Ihnen dabei, sich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten. Gern arbeiten wir mit Ihnen zusammen Ihre Stärken und Schwächen aus.